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Donnerstag, 12. April 2012

Ein Wort zu Europa

Die heutige Europäische Union hatte ihre Anfänge bekanntlich Ende der 1950-er Jahren, als sechs Staaten die so genannten "Römischen Verträge" unterschrieben und damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ins Leben riefen.

 

Die Niederlande, Luxemburg, Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Italien schlossen sich in diesen Verträgen zusammen, um einen gemeinsamen Wirtschaftsmarkt zu erschließen, die Europäische Wirtschaftgemeinschaft, kurz EWG. Die weitere Geschichte dieses Zusammenschlusses, der ausschließlich auf Grund wirtschaftlicher Expansionswünsche der Gründerländer entstanden ist, kann überall nachgelesen werden. 

Verinnerlicht man sich jedoch folgende Formulierung aus der Wikipedia, dann hört sich das nicht mehr ganz so unkompliziert an, dann braucht es schon weiteres Suchen, Forschen und Analysieren, um die wie ein gordischer Knoten verflochtene Organisation, ihre Strukturierung und ihren Aufbau, sowie ihre Funktion tatsächlich verstehen zu können:
" ... Mit dem Vertrag von Maastricht wurde 1992 die EWG, eine der drei Europäischen Gemeinschaften (EG), in Europäische Gemeinschaft (EG) umbenannt und war eine der drei Säulen der Europäischen Union. ... "

So einfach und unkompliziert, wie es zunächste aussehen mag, ist es also offensichtlich doch nicht mit der Entstehungsgeschichte der EU - und auch nicht ganz so transparent.

Viele Gespräche mit "einfachen" Griechen aus dem Volke haben ergeben, dass sich die Generation, die die ersten Schritte zur Aufnahme ihres Landes in den damals noch EWG genannten Bund miterlebt hat, damals sehr glücklich und sogar geehrt gefühlt hatte.
Es begann 1961, also noch vor Ära der Militärdiktatur (Chunta), die vom 21. April 1967 bis zum 17.11.1973 gedauert hatte (Anmerkung: die ständig bestehenden Kämpfe gegen die Chunta fanden ihren Höhepunkt im Jahr 1973  beim so genannten "Polytechnio", dem Studentenaufstand, der am 17.11.1973 in Athen viele Menschen das Leben gekostet hat). Vorerst war Griechenland mittels eines so genannten Assoziierungsabkommens in die EGW aufgenommen, ein Abkommen, das auch heute noch existiert, und das wie folgt definiert wird:
" ... Ein Assoziierungsabkommen ist ein bilaterales Abkommen zwischen der EU und einem Drittstaat. Im Zusammenhang mit dem Beitritt zur Europäischen Union dient er als Grundlage für die Durchführung des Beitrittsprozesses. Mit der Türkei besteht zurzeit ein solches Abkommen. ... "
Nach dem Ende der Militärdiktatur wurden im Jahr 1976 die Verhandlungen für einen Beitritt Griechenlands in die EWG wieder aufgenommen, seit dem 1. Januar 1981 ist Griechenland vollwertiges Mitglied der heutigen EU.

Was die Europäische Union einmal vermittelt hat, was für Ideale und Ziele sie zu verfolgen schien und, das ist wohl das Wichtigste, dass viele Völker der festen Annahme waren, ein Beitritt zu dieser Union werde mehr Wohlstand im eigenen Land möglich machen, mehr Arbeitsplätze und soziale Sicherheit, scheint zum heutigen Stand der Dinge wohl ein  eher naives Wunschdenken gewesen zu sein.

Zugegeben: Griechenland hat aus dem "Finanztopf" der EU reichlich und mit vollen Händen geschöpft, und dabei sind Milliardenbeträge in irgendwelchen schwarzen Löchern verschwunden. Das jedoch betrifft nicht Kostas Normalverbraucher, sondern Politik(er), Banken und Wirtschaftsbosse, unser kleiner Kostas hat von alledem nicht besonders viel gehabt, außer vielleicht der Möglichkeit, sich verschulden zu dürfen und damit "auf Pump" zu leben.
Die Frage, die sich heute viele, bei der Aufnahme ihres Landes stolze Griechen stellen, ist, ob das Volk im Jahr 2012 nicht vielleicht besser dastände, wäre es nicht ein Mitgliedsland der EU geworden.

Das Ideal, das die EU einstmals verkörpert hat, scheint sich mit jedem notwendigen Staatskredit wie ein Nebel zu verflüchtigen, und der Blick wird frei auf die unverschleierte Wirklichkeit. Und die ist unangenehm bis grausam für den einfachen MENSCHEN aus dem griechischen Volke, denn sie zeigt auf, dass man mit der Aufnahme in die EU von heute auf morgen hat Fernseher, Fotoapparate, moderne Küchengeräte und dergleichen kaufen können, da die Türen des Landes weit geöffnet waren für das Importieren solcher Waren, das alles jedoch nur ein kurzer Konsumrausch war, aus dem Kostas Normalverbraucher nun mit heftigen Kopfschmerzen erwacht.

So ist der Traum der Griechen, der fest verknüpft war mit dem Traum Europas irgendwie zu einem Alptraum geworden, denn nun importiert das Land ausländische Ladenketten, die die heimischen Familienbetriebe zerstören, EU-Kontrolleure, die die heimische Demokratie untergraben und ... Waffen.

Zum "Traum Europas" sei erlaubt, den Ausschnitt einer Reportage einzufügen, die im ZDF gesendet worden ist. Der Schriftsteller Robert Menasse äußert sich in wenigen Worten, kurz und bündig, aber auch mit einem trockenen Lachen und einer gewissen Enttäuschung zu den Symbolen der Europäischen Union, die in Form von Statuen in Brüssel zu sehen sind:


video


" Der europäische Traum", eine Statue in Brüssel, scheint zum Symbol des griechischen Traums von Europa zu werden.


Persönlicher Kommentar:
Ich habe mich nie als "Europäerin" gefühlt, ich weiß nicht, was man bei solch einem Gefühl empfindet. Ich persönlich fühle, empfinde und erlebe mich lediglich als MENSCH, als eine von vielen, und deshalb hatte ich wohl nie so etwas wie "einen europäischen Traum". Mein ganz persönlicher Traum hat nie ein Land betroffen, dessen Wirtschaft und Bruttosozialprodukt,  sondern MENSCHEN und deren Gefühl als das, was sie wirklich sind.
Sollte der in dem Video dargestellte "Traum Europas" tatsächlich dem entsprechen, was unsere politischen Führer mit dieser Gemeinschaft im Sinne haben, dann kann ich nur hoffen und beten, dass wir alle aufwachen, bevor dieser Alptraum in dieser ganzen Europäischen Union Wirklichkeit wird.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein schönes Wochenende, wir begehen ab morgen in Griechenland das Osterfest, und auf Grund von nahezu unzähligen Gesprächen mit  MENSCHEN im Ort habe das Gefühl, dass am Samstag Nacht um 12 Uhr, wenn der Priester laut 
Χριστός ανέστη (Christos anesti - Christus ist auferstanden)
sagen wird, bei vielen Menschen in Griechenland statt des Namens von Christus, hoffnungsvoll der Name ihres Landes stehen wird.

Dienstag, 10. April 2012

Der Energiepass für Immobilien und die logische Konsequenz daraus

Seit dem 1. Januar 2012 muss jeder Hauseigentümer für seine Immobilie einen Energiepass besitzen, um vermieten zu können. Das hört sich in Anbetracht von Energiesparmaßnahmen sehr Umwelt freundlich und vor allen Dingen zeitgemäß an. Aber so einfach ist das alles durchaus nicht, wenn man genau hinsieht. 

 

 

Jeder kennt die typischen, griechischen Häuser, die viel des Charakters des Landes ausmachen.                                                

Flachdach, große Veranda, schlicht und einfach
gebaut, und schon beim ersten Blick drängt sich
ein altbekannter Werbeslogan auf: Quadratisch,
praktisch, gut. Und so sind sie auch irgendwie,
die zumeist über 25 Jahre alten Einfamilienhäuser,
die nur über ein Stockwerk verfügen. 

Zugegebenermaßen verlieren sie nicht wenig Wärme durch das aus Beton bestehende Flachdach, in diesem Winter haben in Anbetracht des hohen Heizölpreises auch viele Eigentümer sowie Mieter zusätzlich zur Zentral- heizung einen Holzofen angeschafft.

Nun soll also für alle Immobilien ein Energie- pass ausgestellt werden, das neue Gesetz lautet dahingehend, dass ohne diesen Energiepass eine Vermietung nicht mehr möglich sei. Kontrolliert wird das durch die Finanzämter (!!!), bei denen Vermieter ab dem 1. Januar nicht mehr nur eine Kopie Mietvertrages einreichen müssen, sondern auch den Energiepass des Objektes.
Im Klartext bedeutet das, dass seit Anfang des Jahres kein Mieter mehr dazu berechtigt ist, einen Mietvertrag zu unterschreiben, wenn ihm vom Eigentümer der Energiepass nicht vorgelegt worden ist.

Mit etwa 100qm Wohnfläche und 900qm Grund 
liegt der Mietpreis dieses Hauses bei 260 Euro 
kalt/Monat, was in Griechenland als teuer erachtet 
wird. Es entspricht der niedrigsten Kategorie 
in Bezug auf  Wärmedämmung, Isolierungsarbeiten 
würden also sehr teuer kommen. Und wie soll das 
bei dieser Monatsmiete, die ohnehin schon als hoch 
empfunden wird, finanzierbar sein?
In diesem Pass wird die Isolierung des Objekts erfasst, die Art der Fenster – also, in wie weit Fenster Wärme dämmend sind – ob Flachdach oder ein normales Dach, etc., und aus allen diesen Daten ergibt sich dann die „Energiekategorie“ des Objekts. Das alles ist (angeblich) zum Schutz des Mieters, denn je weniger Energie sparend das Mietobjekt ist, desto geringer muss dann auch der Mietpreis sein.



Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind geradezu erdrückend:
Besonders momentan, wo niemand in Griechenland weiß, welche neue Erhöhungen der Lebenshaltungskosten und Steuern, und im Gegenzug dazu Lohn-, Gehalts- und auch Rentenkürzungen zu erwarten sind, kann kein Kostas Normalverbraucher das Geld für Isolierungsarbeiten an einem Haus aufbringen.
Auch ist die Bauweise in Griechenland bekannter weise gesetzlich so geregelt, dass wegen der Erdbebengefahr viele Betonstützen und -wände eingebaut werden müssen, Beton jedoch speichert die Außentemperatur, was im Winter eine negative Auswirkung auf den Energiesparwert der Häuser hat.
Die Außenwände selbst der Neubauten sind gemäß der Hausbautradition Griechenlands weitaus dünner als die in Deutschland, sie zu isolieren würde Kosten verursachen, die besonders im Moment kaum jemand tragen kann.
Auch, auf einem Flachdach ein für Zentraleuropa „normales“, besser isolierendes Dach zu errichten, ist eine Investition, die viele Hauseigentümer gerne machen würden, wofür ihnen jedoch besonders jetzt schlicht und ergreifend das nötige Kleingeld fehlt. Man darf ja nicht vergessen, dass nicht nur die Steuern für Einnahmen aus Vermietungen angehoben worden sind, sondern auch die „Sondersteuer für Immobilien“ zu entrichten ist. Und auch, dass nicht wenige Eigentümer ihren Mietern die monatliche Miete um bis zu 30% reduziert haben, weil eben auch die Löhne und Gehälter gekürzt und im Gegenzug dazu die Lebenshaltungskosten angehoben worden sind, sollte bedacht werden.  


Alle vorausgegangenen, logischen und leicht überprüfbaren Überlegungen lassen nur einen Schluss zu, nämlich, dass das Eigentum einer Immobilie für Kostas Normalverbraucher nicht mehr als echte Kapitalanlage gesehen werden kann. Die zu entrichtenden Steuern stehen immer niedrigeren Mieteinnahmen gegenüber, nicht wenige Mieter sind bereits viele Monatsmieten schuldig und mit diesen "Nicht-Einnahmen" kann ein Eigentümer auch keine der Renovierungsarbeiten finanzieren.
Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch denjenigen bekannt, die für dieses Gesetz gestimmt haben, das noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem Kostas Normalverbraucher weiß Gott andere Sorgen hat als an seinem Haus Energie sparende Arbeiten vornehmen zu lassen.

Persönliches Fazit aller dieser Überlegungen:
Dieses Gesetz ist nur ein weiterer Schritt, Kostas Normalverbraucher in eine immer noch ausweglosere Position abzudrängen, ihn unter Umständen sogar in eine Situation der Illegalität zu katapultieren. Denn, wer den Energiepass nicht hat, wird deshalb nicht automatisch auch keine Mieter haben, Kostas Normalverbraucher nämlich sieht seine einzige Chance darin, die Vermietung des Objektes einfach nicht mehr beim Finanzamt anzumelden. Und wenn die Miete entsprechend niedrig, also finanzierbar ist, dann wird kein potentieller Mieter ein Problem damit haben, dass kein schriftlicher Mietvertrag abgeschlossen wird ...

Montag, 9. April 2012

Langsam breitet sich Angst aus

Man mag schon bald nicht mehr aus dem Haus gehen und mit irgendjemandem reden, denn überall schwebt nur ein und dieselbe Frage, zum Teil ausgesprochen, zum Teil in Gesichtern und Augen geschrieben:

Wie wird das alles weitergehen?

 

Damit sind durchaus nicht die Kredite des Landes gemeint, von denen klar ist, dass sie rein rechnerisch nicht einmal die Enkelkinder der Generation, die heute zwischen 30 und 50 Jahren alt ist, werden abbezahlen können. Dafür, dass auch nur ein Funken an Glauben daran glimmen könnte, fehlt die Basis, die ebenso aus einer wirtschaftlich einigermaßen „therapierbaren“ Grundsubstanz bestehen müsste, wie auch aus einem einigermaßen sozial strukturierten System, wobei das eine das andere bedingt - wo keine Arbeit ist, da existiert kein Einkommen und zwangsläufig auch keine Wirtschaft, und wo immer niedrigere Einkommen immer höher steigenden Lebenshaltungskosten gegenüber stehen, da ist der Exitus vorprogrammiert. Es ist auch kaum anzunehmen, dass in irgendeinem Parlament noch irgendein Politiker sitzt, der von der Möglichkeit ausgeht, dass Griechenland seine Kredite irgendwann wird bedienen können. Die inländische Wirtschaft stagniert nicht nur, sie ist in extremstem Ausmaß rückläufig, denn wo kein Geld im Sinne von Einkommen ist, da kann auch keins in Umlauf gebracht werden. Der „Kreislauf des Geldes“ hat zu niedrigen „(Blut-)Druck, er wird über kurz oder lang zusammenbrechen, spätestens dann, wenn die Gehälter so niedrig geworden sind, dass man sie nicht einmal mehr mit der Nagelschere wird kürzen können.

Und genau hier beginnen die Menschen sich diese eine Frage zu stellen:
Wie wird alles weitergehen?

Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre, dass nämlich die Menschen rücksichtslos zur Ader gelassen werden, und ein paar logische Gedanken, sorgen dafür, dass sich immer mehr Angst ausbreitet. 
Angst davor, was geschehen wird, wenn aus Kostas Normalverbraucher der letzte Tropfen herausgepresst worden ist, wenn er nichts mehr hat, das man kürzen könnte und wenn das, was ihm gelassen wird, zum Überleben schlicht und ergreifend einfach nicht mehr reicht.

Immer mehr Menschen bewirtschaften eigene Gemüsegärten, haben Hühner im Garten und versuchen so, eine Basis für noch schwierigere Zeiten zu schaffen. Prompt wurde der Vorschlag laut, dass die Gemeinden solche Gärten und Hühnerställe mit einer Steuer belegen sollten, um sich eine Einnahmequelle zu eröffnen, was jedoch (bislang noch) nicht umgesetzt worden ist. Und es ist anzuzweifeln, dass auch nur ein Grieche darauf nicht mit Empörung, unter Umständen sogar mit Aggression reagieren würde.

Obwohl die meisten Menschen der Ansicht sind, es sei langsam genug und man müsse endlich gemeinsam gegen diesen ganzen Wahnsinn angehen, so fürchten sie sich doch auch davor, dass der Widerstand nicht aus einer Art „geregelter Revolution“ bestehen könnte, in der den Regierenden (wer auch immer das sein mag) mit Demonstrationen und Blockaden klar zu machen versucht wird, dass es so nicht weitergehen kann, sondern aus unter Umständen bewaffnetem Widerstand.

Sogar ältere Kinder und Jugendliche stellen immer häufiger die Frage, ob es denn möglich sei, dass es „zu einem Krieg“ kommen könne – und als Erwachsener weiß man langsam nicht mehr, was man darauf antworten soll, hat man doch selbst auch ein dummes, drückendes Gefühl in der Magengegend, wenn man sich die nahe Zukunft vorzustellen versucht.

So breitet sich die Angst langsam aus wie ein Nebel, und sie kommt in all den Aspekten, die die sich immer mehr verschlimmernde Situation widerspiegelt:
Angst vor Arbeitslosigkeit
Angst vor noch weniger Lohn
Angst vor Preiserhöhungen
Angst vor immer neuen Steuern
Angst davor, dass sich alle gemeinschaftlich in die Situation fügen könnten
Angst davor, dass ein sich dagegen Wehren zu Gewalt führen könnte

Auch, wenn versucht wird, auf irgendeine Weise „darüber hinweg zu leben“, mit den Umständen klarzukommen, sich darauf einzustellen, sie sogar einfach zu ignorieren, so ist die unterschwellige Angst schon fast ein ständiger und treuer Begleiter für die meisten Menschen geworden. Und dabei rückt die Angst davor, dass der Syntagma-Platz von Athen über kurz oder lang in ganz Griechenland präsent sein könnte, immer mehr in den Vordergrund, die Angst, dass der zum Teil mit Wut und Gewalt durchsetzte Widerstand gegen die Maßnahmen von Regierung und Troika sich im ganzen  Land ausbreiten könnte.



Persönlicher Kommentar:
Sollte es im Laufe dieses Jahres zu Schlimmerem kommen, als zu den bereits gewohnten Demonstrationen in den großen Städten des Landes, so sei an dieser Stelle bereits festgehalten, dass kaum ein Kostas Normalverbraucher eine solche Situation tatsächlich wünscht. Kostas Normalverbraucher gibt sich die größte Mühe, seine aufkeimende Wut ebenso unter Kontrolle zu halten, wie die seines Nachbarn – mit beschwichtigenden Reden und mit der Hoffnung, es könne ja doch noch alles besser werden. Doch tatsächlich glauben kann das hier kaum mehr jemand, und die kleine Glut des Wunsches zu Widerstand, die die Troika gemeinsam mit den in Griechenland Regierenden entfacht haben, wird von neuen Kürzungsplänen und dem Beschneiden der Lebensgrundlage des einfachen Menschen aus dem Volk am Glimmen gehalten. Sollten aus diesem drohenden Schwelbrand tatsächlich Flammen schlagen, so sind als Verantwortliche für das darauf folgende Feuer auf alle Fälle diejenigen zu nennen, die den Ausbruch von Gewalt anzustreben scheinen, denn es ist nicht anzunehmen, dass unsere Politiker glauben könnten, ihre „Maßnahmen“ könnten auf Dauer mehr bewirken als das Aufbegehren der Menschen.

An dieser Stelle sei erlaubt, das Lied Griechenlands zum letztjährigen Eurovisionsfesival einzufügen. Macht man sich die Mühe, den (Wort für Wort) übersetzten Text zu lesen und zu verinnerlichen, kommt man, sofern man das möchte, dem MENSCHEN Kostas Normalverbraucher ein bisschen näher - "der Kampf gegen die Angst" ist nicht nur in dem Lied, sondern auch in der Realität etwas, das die MENSCHEN hier immer mehr zu beschäftigen scheint:


  



Watch My Dance:
(Loukas Giorkas & Stereo Mike )

(Englisch) Ich wurde bereits verraten geboren – wer bin ich, wer werde ich sein?
Was ist mein in diesem Leben? Nur der Himmel und das Meer.
Nein, ich werde beide nicht aufgeben, sie sind mein Glück, mein Beweis.
Glaub nicht, was du hörst, denn die Wahrheit tötet deine Wahrheit.
Meine Pflicht ist der Kampf gegen die Angst,
und ich will dich bei mir, ja, ich will dich ganz nah.
Schau meinen Tanz an, den Kopf erhoben, Hände wie Flügel und ich werde fliegen.

(Griechisch)Den Kopf hoch erhoben und die Arme weit geöffnet.
Meine Seele hat das Feuer,
das allein alle Ängste verbrennt.
Ich mache meine Schritte zu Gott
und sollte ich fallen, dann werde ich wieder aufstehen.

(Englisch)Ich habe viele Worte gehört, aber ich werde weiterhin nicht
die Sprache meines Körpers vergessen, den Klang meines Herzens.
So bleibe ich am Leben und meine Verluste werden nicht zulassen,
dass meine Seele sich unterwirft, die Macht des Verlustes ist mein Gewinn
Schau meinen Tanz an, den Kopf erhoben, Hände wie Flügel und ich werde fliegen.

(Griechisch) Den Kopf hoch erhoben und die Arme weit geöffnet.
Meine Seele hat das Feuer,
das allein alle Ängste verbrennt
Ich mache meine Schritte zu Gott
und sollte ich fallen, dann werde ich wieder aufstehen.